Peter Bieri. Wie wollen wir leben? Residenz Verlag, 2011

Peter Bieri

Wie wollen wir leben?

St. Pölten – Salzburg, Residenz Verlag, 2011.  96 Seiten.

ISBN 978-3-7017-1563-3

www.residenzverlag.at

Wieder ein ausgezeichnetes Werk veröffentlicht von dem in der Schweiz geborenen Philosophen Peter Bieri, der zuvor Professor für analytische Philosophie an der Freie Universität Berlin war und als Professior in Heidelberg, Bielefeld und Marburg gewirkt hat. Bieri, der auch als Schriftsteller unter dem Pseudonym Pascal Mercier bekannt ist, schreib auch Nachtzug nach Lissabon und Lea. Bieri wurde auch ausgezeichnet mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem Premio Grinzane Cavour.

Das Buch ist in drei Kapitel unterteilt, die in der Frühlingsvorlesung zum Thema “Wie wollen wir leben?” vom 21. bis 23. März 2011, im Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz präsentiert wurden. Dieses Buch besteht aus der Reihe Unruhe bewahren von Residenz Verlag.

Ein sehr beeindruckendes Zitat ist vorne auf dem Umschlag des Buches zu finden: “Ich möchte in einer Kultur der Stille leben, in der es vor allem darum ginge, die eigene Stimme zu finden.” Dieses Zitat ist die Stimme des Autors und bewegt das Buch. Was bedeutet diesen Zitat eigentlich? In seinem Werk befasst sich Peter Bieri mit die Begriffe “Selbstbestimmung” und “Selbsterkenntnis”.

Es ist nicht meine Absicht an dieser Stelle eine Zusammenfassung zu schreiben, sondern nur die wichtigsten Kernpunkte des Werks dar zu legen.

Im ersten Teil des Buches “Was wäre ein selbstbestimmtes Leben?”, der Autor beschreibt was Selbstbestimmung bedeutet und wie man ein selbstbestimmetes Leben bei sich selbst erkennt und spürt. Aus der Perspektive des Autors, handelt es sich bei der Selbstbestimmung um unsere Würde und Glück, welches auch mit Selbsterkenntnis und Selbständigkeit eng verbunden sind. Bieri beschreibt was Selbstbestimmung und Selbstständigkeit nicht bedeuten; ein Leben in dem man von andere Personen gedrückt oder gezwungen wird, oder in dem wir nur bloß ein Instrument oder ein Spielzeug der Anderen ist (S. 10). Und ein Selbstbestimmtes Leben wäre auch ‘nicht das, was die meisten von uns im Auge haben: ein selbstständiges Leben in einer Gemeinschaft, die durch rechtliche und moralische Regeln bestimmt ist—Regeln, die soziale Identitäten definieren, ohne die es ebenfalls keine Würde und kein Glück gibt’ (S. 8). Sonst wären wir nur als Instrument benützt (S. 10-11). So das wir gründlich verstehen was Selbstbestimmung bedeutet ist es auch dann sehr wichtig den Unterschied zwischen ein Passiv und einem Aktive Leben zu erkennen (S. 11). Er beschreibt auch den Verlust des Selbstbestimmens (S. 28). Wir müssen uns Frei und nicht gezwungen zu fühlen um Entscheidungen für unseren Leben durch zu führen. Selbstbestimmung soll man nicht als abstrakt Begriff ansehen, sondern als etwas das wir selbst erreichen können. Doch wir sollten uns zu Moralische Regeln halten: ‘Es geht uns allen besser, wenn wir uns an moralische Spielregeln halten, denn dadurch wird der übrige Spielraum der Selbstbestimmung größer als in einem feindseligen Chaos’ (S. 28). Aber welche? Bieri führt das Konzept “moralische intimität” ein: ‘Es gibt zwischen Menschen eine Art der Begegnung, die wir als in sich wertvoll erleben und die man moralische Intimität nennen könnte. In dieser Art der Begegnung können sich komplexe und tiefe moralische Empfindungen entwickeln, die unmöglich sind zwischen Leuten, die einander nur als ausrechende Gegner sehen. […] Moralisch Intimität ist eine Beziehung zwischen Menschen, in der sich ihre Fähigkeit zur inneren kritischen Distanz sich selbst gegenüber zeigt. […] Sie ist vielmehr der natürliche Ausdruck dieser Selbstbestimmung’ (S. 29). Weil ich selbst Philosoph bin, finde ich diesen Konzept und die anderen der Autor in diesem Werk vorstellt sehr interessant. Aber für jemanden der nicht Philosoph ist, würde es sehr hilfreich sein, wenn der Autor diese Konzepten mit Beispiele ausreichend beschreiben könnte.

Im zweiten Teil des Buches “Warum ist Selbsterkenntnis wichtig?” Die Hauptsache ist hier, wie man sich selbst erkennt, wie man weiß wer man nicht ist, und auch wie man sich als eine Selbstbestimmte Person ausdrücken kann. Der Autor konzentriert sich auf die kulturelle Identität von einer linguistischen Perspektive, die sich meistens von der Theorie und Denkens Sigmund Freud und Max Frisch behandeln. Bieri präsentiert hier Max Frisch: ‘Wer nicht schreibt, weiß nicht einmal, wer er nicht ist’ (S. 46). Der Autor schreibt: ‘Sich selber zu erkennen, ist auch eine Form, über sich selbst zu bestimmen. Selbsterkenntnis ist eng verwoben mit Selbstbestimmung’ (S. 42). Als Beispiele seines Gedankens, wirft der Autor seine eigenen Erfahrungen als Autor seines Roman Nachtzug nach Lissabon, vor (S. 49, 50-51). In diesem Teil des Buches zeigt der Autor natürlich seine große Leidenschaft nicht nur für die Philosophie, sondern auch seine Inspiration und Lust für das Schreiben eines Romans und Abenteuers.

Das dritte Teil des Buches “Wie ensteht kulturelle Identität?”, dreht sich um den Begriff moralische Identität. Der Autor schreibt: ‘Eine kulturelle Identität ist auch eine moralische Identität, die sich jemand aneignet, indem er viel reist, sei geographisch, literarisch oder als Betrachter von Dokumentarfilmen. Solches Reisen gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Bildung’ (S. 76). In diesem Sinne, entwickelt sich unserer kulturelle Identität durch Bildung. Als Kinder lernen wir unserer Muttersprache natürlich, aber diese Sprache ist nicht eine feste Definition des Begriffs kulturelle Identität (S. 83), sondern dass, ‘eine kulturelle Identität ist nichts Festes, endgültiges’ ist (S. 83). Was bedeutet das eigentlich? Wir sollten immer dieLust haben und die Möglichkeit finden uns selbst aus zu bilden—denn Bildung dauert das ganzen Lebens eines Persons.

Zum Schluss möchte ich auch noch kurz eine Betrachtung hinzu fügen. Es gibt verschiedene Theorien über den Begriff “Selbstbestimmung”. Eine ist das Selbstbestimmung eine kulturelle Konstruktion ist (J.B. Schneewind 1998), eine Konstruktion die sich nur entwicklet wenn man in eine Gesellschaft einer Kultur lebt, die uns in alle Aspekten unseres Lebens ständig beeinflusst; und in diesem Sinne ist diese Versions der Selbstbestimmung keine universelle Definition, weil es nicht als Teil des Wesens der Person betrachtet wird. Zum Beispiel, in manche Kulturen kann ein Person seinen Willen oder seine Selbstbestimmung nicht ausdrücken oder erleben, weil es verboten ist und sie sind nicht als Individuelle Person betrachtet. In einem ganz anderen Sinne, betrachtet man die Selbstbestimmung als Teil des menschlichen Wesens selbst. Das bedeutet, das Selbstbestimmung (Autonomie) nicht abhängig von Kultur und Gesellschaft ist. Aus diesem Grund wird Selbstbestimmung als universell betrachtet (M. Nussbaum 2000; A. Sen 1985). Ich glaube Bieri engagiert sich mit den ersten Definition, weil er deutlich hervor hob: ‘Jede Kultur ist auch eine Definition von dem, was wichtig ist’ (S. 80).

Der Leserkreis des Buches besteht generell gesehen aus Personen, die von vorne herein Interesse für Philosophie hegen. Das Buch ist sehr leserfreundlich, in dem man sich mit dem Buch sehr wohl fühlen kann, selbst wenn man auch keine philosophische Ausbildung hat. Die Themen die sich das Buch widmet, sind in den Kapitel ordentlich organisiert. Am Ende des Buches gibt es ein Literaturhinweis, den ich hilfreich fand. Das Buch wäre auch sinnvoll für Studenten, die eine wertvolle Nebentext, besonders für Kulturstudien, benötigen. Das Buch hat mir echt gut gefallen und werde es auch weiter empfehlen.

Karin Susan Fester © 2012

Quotations were taken directly from the Peter Bieri’s book Wie wollen wir leben? The photograph of the book cover was made from the book supplied by Residenz Verlag.

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Reading, writing, shoveling snow, reading, writing…

I’ve been absorbed in several writing projects.  Too much to read and not always enough time.  Now it’s winter and I also have a  lot of work to do outside pruning trees, shoveling snow, and what not. We’ve  had tons of snow fall here in Italy and extremely low temperatures.  Working outside in the cold is also inspirational–shoveling snow and coming up with great ideas to pen down.

Then it always feels sooo good to come in from the bitter cold and to sit in a cozy warm place sipping a hot cup of tea while reading a book…  More book reviews on the way…